Ende der Klamottenkur.

collage.jpg

M I N I M A L I S M U S 

als neuer Partner in Crime.

Der 29. ist da und die Klamottenkur vorbei. Faszinierend, dieses Phänomen "ZEIT". Ging ja ganz schnell - sag ich mir. HAHA. Das sag ich jetzt. In Wirklichkeit ist alles nur ein Moment des Gewöhnens. Ich war daran gewöhnt, die volle Bandbreite meines Kleiderrepertoires zu nutzen und in den vergangenen Wochen habe ich mich so sehr daran gewöhnt, mich auf meine limitierte Auswahl von Kleidungsstücken zu beschränken, dass ich nun meinen Kleiderschrank von 200 Kleidungsstücken (ohne Unterhosen, Accessoires, Socken, Schuhe und Jacken) auf 60 Kleidungsstücke reduziert habe. Immer noch viel und genug Auswahl. Aber das Gefühl, weniger im Schrank zu haben, ist jetzt ein befriedigenderes. Ich glaube wir könnten mit noch sehr viel weniger auskommen. Nicht dass wir es müssten. Aber es ist auf eine verrückte Art und Weise befreiend. 

Vor zwei Wochen ist mein Handy in die Toilette gefallen - ja, das passiert wirklich. Für mich hieß es dadurch dann erst einmal "Hasta la vista Whats App, Instagram, Facebook, Social Media!". Die Zeit ohne permanente Bilderflut und ständige Erreichbarkeit für Jedermann war damit vorübergehend vorbei. 

Es tat mir gut, nicht die ganze Zeit zu wissen, was meine Freunde so treiben, was die neusten Trends so machen, oder wo Ulla vergangenes Wochenende Essen war. Weniger ist eben doch mehr. Mehr Wahrnehmung der Gegenwart und der Momente, die Ich grade erlebe. Eine zusätzliche - mehr oder minder bewusste - Social Media Kur. Die Kombination vom Klamottenfasten und des Fehlens, des mir sonst so präsenten Medienkonsums machten etwas mit mir. Ich hatte das Gefühl, mich nicht so sehr vergleichen zu müssen, mit Frauen, die ich bewundere oder gegenüberzustellen, wer denn jetzt wohl das interessantere Wochenende gehabt hat. Mir tat es gut, einmal raus zu sein aus dem ganzen Trubel und auch mal Stille aushalten zu können. Sich einfach mit einer Freundin zu verabreden, ohne vorher 15 WhatsApp Nachrichten hin und her zu schreiben, ob das Treffen denn jetzt auch wirklich klappen würde und das man 5 Minuten zu spät sei. Nein, man wartet dann nämlich einfach. So ist das. Ganz ohne Handy in der Hand, Kopfhörer im Ohr oder der Mutter am Telefon. 

Es erfordert manchmal Mut, auszusteigen, nicht mitzuschwimmen im Strom der Zeit und eben auch mal Stille zu ertragen. Loslassen heißt hier das Zauberwort. Loslassen von Gewohnheiten, die uns - in der heutigen Zeit - überlebenswichtig erscheinen. Ich glaube, wenn Jeder von uns ein bisschen weniger auf alles und ein bisschen mehr auf eine Sache blicken würde, wäre das Weniger wirklich ein Mehr und wir nicht so schnell überfordert und dem BURN OUT nahe. 

Ich hab was gelernt in dieser Zeit. Und ich fühle mich bereit, mehr los- und Dinge sein zulassen. Wichtig ist, meines Erachtens, dass wir uns gegenseitig daran erinnern und uns gegenseitig ermutigen, zu Dingen "NEIN" zu sagen, die wir sonst so nebenbei und selbstverständlich tun.

M I N I M A L I S M  als neuer Partner in Crime. "Hasta la Vista" Konsumüberfluss.

Ciao. Julia

Julia Radewald