40 Tage | 50 Teile

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“Die Emotionen sind die Essenz des Lebens. “

Aaron Ben-Ze’ev

“Die Emotionen sind die Essenz des Lebens. Das Leben ist nicht immer angenehm, aber es sollte niemals langweilig und öde sein.“ 

(Aaron Ben-Zeèv – Die Logik der Gefühle. Kritik der emotionalen Intelligenz)

 

Das mit der Klamottenkur läuft. 

Aber wie das so ist mit Chilis ohne schärfe und Projekten ohne Emotionen, es ist irgendwie öde.

Immerhin habe ich schon zweimal gemogelt.

Einmal als dieser legendären Anglerhut im Secondhand einfach schnurstracks auf mich zugelaufen kam (kein Scherz) – oben auf dem Bild zu sehen - und das zweite Mal auf der Hochzeit meiner Mutter, wo ich dann doch nicht meine ollen Dr Martens anziehen wollte.

Ansonsten fällt es mir sehr viel leichter als im letzten Jahr. Liegt wahrscheinlich an meinem sehr erwachsenen emotionalen Verhalten und das ich inzwischen sehr viel besser weiß worauf es denn eigentlich ankommt in dieser Welt. 

Oder aber es liegt daran, dass meine Emotionen zur Kleidung im Allgemeinen auf ein Minimum gesunken sind. 

Ich lebe in einer absoluten Blase der nachhaltigen Kleidung. Sowohl in meinem Agenturjob, als Modedesignerin bei Kluntje, meiner ehrenamtlichen Tätigkeit für Fashion Revolution (fashionrevolution.org – Check it out!) und meinen Freizeitaktivitäten – Secondhand Läden - habe ich was mit nachhaltiger Mode am Hut, am Anglerhut, hahahahahaha. 

Ich bin emotional abgestumpft. Berlin sprießt nur so von bunter, verrückter und top angesagter individueller Mode und ich bin mitten drin mit meinem 40 Tage | 50 Teile Projekt. Mir selbst fällt es noch nicht mal auf, geschweige denn jemanden anders, dass ich immer dieselben Kleidungsstücke trage. 

Wie nun umgehen mit dieser Erkenntnis der Ödnis des Projektes? Ich wollte die Wertigkeit der einzelnen Kleidungsstücke erforschen, doch es fühlt sich jetzt eher an wie das Tragen von Uniformen, was weder negativ noch positiv gemeint ist. Nur eben unemotional. Es ist eben etwas da, was man trägt und fertig. Wahrscheinlich behandeln viele Menschen das Tragen ihrer Kleidung ähnlich? Ich weiß es nicht. Ich finde es eher grausam. Es sollte Spaß machen vor einem Kleiderschrank zu stehen, wie wild zu kombinieren, sich dreimal an und wieder auszuziehen, bis ich das passende Outfit gefunden habe. Jedenfalls empfinde ich das so. Möglichst immer ein bisschen anders als sonst. An so einer immer ähnlichen Garnitur ist ja generell nichts Schlechtes. Aber wo sind da die Emotionen, der Spaß? Oder auch die Frustration, wenn doch etwas nicht mehr passt? Das Schöne an Kleidung ist doch, dass sie einen einhüllt, nämlich in eine ganz individuelle Vision an das Kleidungsstück. Beim Erwerb eines Kleidungsstückes habe ich ein Bild im Kopf – eine andere sehr coole Person z.B. die auch immer so etwas Ähnliches trägt, oder eine Zeit – wie die 20er Jahre, oder auch meine Mama, die früher auch immer etwas Ähnliches getragen hat. Und mit diesem Bild im Kopf zieht man dann das nächste Mal dieses Kleidungsstück an und umgibt sich mit der Hülle, der Vision deines eigenen Bildes. Sich zu kleiden ist fantastisch und sollte alles andere als Unemontional sein! 

Ich glaube die einzige angemessene Art und Weise auf mein emotionsloses Klamottenfasten zu antworten, ist eine Kleidertauschparty zu veranstalten! Girls und Sekt! Was könnte da besser helfen?

Julia Radewald