Erzfeind Abfall

Her green plastic watering can

For her fake Chinese rubber plant

In the fake plastic earth

That she bought from a rubber man

In a town full of rubber plans

To get rid of itself

It wears her out

Radiohead - Fake plastic trees

Kaufrausch. Was ist das bloß für ein merkwürdiges Phänomen?

Haben haben haben. Ich kaufe also bin ich. Was ich hab, macht mich aus.

Man will es nicht zugeben aber jeder kennt das Gefühl wahrscheinlich. Sich durch Besitzen als Zeichen von Geschmack zu definieren.

Eigentlich Quatsch, denn wir sind schließlich auch vom eigenen Charakter überzeugt und an dem kann man ja auch etwas ändern oder daran feilen. Ist halt wahrscheinlich aber viel schwerer und unangenehmer.

Jäger und Sammler, vielleicht ist es auch immer noch das.

Jedenfalls glauben wir,  dass wir uns alle nicht so schnell distanzieren können von diesem Besitzding. Deshalb haben wir angefangen, rückwärts zu denken. Denn was uns eigentlich am Kaufrausch stört, ist ja nicht der Tick an sich, sondern der Überkonsum und die übermäßige Produktion. Und vor allem die Überproduktion von Quatsch. Plastik zum Beispiel. Plastik macht uns regelmäßig stinksauer.

Plastikdinge an sich aber auch Plastik in Textilien und Plastik in Verpackungen. Für nichts und wieder nichts werden DInge in Plastik verpackt. Und Plastik in seiner Rohform als Erdöl ist nicht unendlich vorrätig, irgendwann ist es vergriffen weil zu viele minikleine Tops daraus hergestellt wurden und die wurden dann außerdem nochmal in Plastik verpackt. Und gekostet hat es fast gar nichts.

Und nun nochmal zum Rückwärts denken:

Besitz bedeutet Konsum, das wiederum bedeutet Produktion.

Da wir sowohl Besitzer als auch Produzenten sind, sitzen wir an beiden Enden und können die Kette von hinten beginnen: Wir produzieren.

Und da wir der Meinung sind, dass wir uns nicht allzu schnell von dem sonderbaren Wunsch nach Besitz distanzieren können, bleibt uns nur übrig, den Konsum zu umgehen, damit kein Übermaß an Produktion und Konsum entstehen kann.

Produzieren wir also ohne dafür extra zu konsumieren.

Wir haben angefangen, die Stoffreste, die beim Zuschnitt der Stoffstücke für Kleidung entstehen, aufzuheben.

Und eines schönen Tages im Frühjahr hat uns Lena nach einem Wochenende, das sie mal freudig allein in unserem Atelier verbracht und an unserer Kollektion herumgetüftelt hat, ein Top auf den Tisch gelegt und gesagt, dass sie spontan einen Schnitt entwickelt hat, in dem man alle kleinen Stoffreste weiterverarbeiten kann.

Und dann wussten wir gar nicht mehr, wie uns geschah. Denn Lena hatte damit nicht nur unseren Erzfeind, den Abfall, geschlagen, sondern obendrein noch ein wunderschönes neues Teil entworfen: Das Anti-Waste Nickitop.

Somit haben wir jetzt noch eine dritte Art der nachhaltigen Herstellung. Nicht nur die Eco-Fashion, aus Biobaumwolle und die Re-Fashion Kollektion aus Vintageschätzen, sondern nun auch den Beginn einer kommenden Anti-Waste Kollektion aus den Resten der Eco-Fashion Kollektion. Und im Gegensatz zur Re-Fashion, bei der jedes Teil ein Einzelstück ist, ist sie nachproduzierbar.


Keine Verschwendung, keine Überproduktion und vor allem aber: keine unnötige Ausbeutung der Ressourcen.

Lena, das tapfere Schneiderlein, hat mal wieder alle Fliegen auf einen Streich erwischt.

Jetzt ziehen wir mit unserer Anti-Waste Kollektion los und fordern neue potentielle Erzfeinde heraus.

Kati Gellert